Wir stellen uns vor

Ob in Familien, Partnerschaften oder in Jugendgruppen, ob in Schulen, Büros, auf der Straße oder im Internet: Gewalt findet an allen Orten statt, hat viele Formen und zieht sich durch sämtliche Lebensbereiche. Und dennoch: Überall wo es Gewalt gibt, gibt es immer auch Menschen und Institutionen, die sich dieser Gewalt entgegenstellen. „Marburg gegen Gewalt“ – das ist zugleich Titel und Programm der Zusammenarbeit, die die Arbeitsgruppe Sozialpsychologie der Philipps-Universität und die Stadt Marburg im Mai 2013 begonnen haben.

 

Projekthintergrund und -Ansatz

Eine Umfrage des Marburger Ordnungsamtes zu Beginn des Jahres 2012 hat gezeigt, dass in Marburg eine Vielzahl von Präventionsmaßnahmen zum Einsatz kommen. Stadtteilvereine, Sportvereine, Schulen, Kindergärten, die Polizei, und viele mehr setzen sich - teils seit Jahrzehnten - aktiv für die Vorbeugung und Minderung von Gewalt in unserer Stadt ein. Diese Maßnahmen werden gegenwärtig allerdings nur vereinzelt inhaltlich oder zeitlich aufeinander abgestimmt. Auch eine Überprüfung der Wirksamkeit von Programmen findet nur in Einzelfällen statt.

An dieser Stelle möchte das Konzept von Marburg gegen Gewalt ansetzen. Gegen die Ursachen und Auswirkungen von Gewalt gehen wir dafür auf mehreren Ebenen vor. Dabei wollen wir vor allem die bestehenden Maßnahmen in den Blick rücken: Wir sprechen Organisationen mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen an, um gemeinsame Ziele für koordinierte Anstrengungen zu formulieren. Auf dieser Basis möchten wir eine gezielte Erweiterung des Angebots anregen. 

 

 

Als Gewalt verstehen wir in erster Linie physische Übergriffe und deren Androhung sowie systematischen Ausschluss an sozialer Beteiligung. Dass diese "sichtbaren" Gewaltphänomene nie ohne strukturelle Ursachen oder persönliche Hintergründe auftreten, muss selbstverständlich auch in der Umsetzung von Präventionsmaßnahmen mitbedacht werden.  

Zu den wesentlichen Einflussfaktoren gehören Lernprozesse, beispielsweise in Familien, wenn Kinder dort selbst Opfer von Gewalt werden oder physische Gewaltausübung beobachten müssen. Generell erhöhen physische Gewalterfahrung, Ausschluss in der Schule oder Gewalterleben und Nachahmungsverhalten in peer-groups die Bereitschaft zur eigenen Gewaltanwendung. Auch der Einfluss gewalthaltiger Medien (Fernsehsendungen, Filme, Computerspiele) auf Betrachter und Spieler ist nicht zu unterschätzen.

Besonders deutlich wird der Zusammenhang von interpersonaler Gewalt mit deren strukturellen und kulturellen Bedingungen im Hinblick auf Gewalt und Geschlecht. So unterscheiden sich die Muster von Gewalt gegen Frauen von Gewalt gegen Männer. Gewalt gegen Frauen ist häufig in der (Macht)Ungleichheit der Geschlechter verwurzelt und teils durch Normen und Gesetze toleriert oder gar legitimiert.   

Ohne Berücksichtigung der genannten und weiterer Ursachenfaktoren bleibt selbst die beste Form der Intervention gegen Gewalt eine reine Symptombekämpfung.

Prävention und - in angemessenem Maße eingesetzte - Repression werden dabei nicht als "Entweder-Oder-Ansätze" verstanden. Je nach Problemlage werden unterschiedliche Vorgehensweisen als sich ergänzende Elemente möglicher Maßnahmenpakte verstanden.

 

Marburg gegen…


• Physische Gewalt und deren Androhung

• Systematischen Ausschluss von Teilhabemöglichkeiten

• Die Zementierung extremer Machtunterschiede zwischen Einzelnen und gesellschaftlichen Gruppen. 

 

Projektziele


• Ausbau von Kooperationen

• Verständigung über Inhalte & Ziele

• Maßnahmen gemeinsam angehen

• Daten erfassen

• Problemlagen & Bedarfe erkennen und benennen

• Informationen zugänglich machen

• Betroffene schnell & zuverlässig unterstützen

• Best-Practice-Modelle entwickeln

 

Leitlinien 


• Theoretische Fundierung & Transparenz im Vorgehen

• Unterstützung unterschiedlicher Ansätze auf mehreren Ebenen

• Institutionenübergreifende Zusammenarbeit

• Maßnahmenorientierung

 

Rahmendaten


• Laufzeit: seit Mai 2013

• Kooperation zwischen Stadt Marburg und AG Sozialpsychologie